Corona in Mexiko – diese Digitale Nomaden Familie musste das Land verlassen

April 13, 2020

Zahlreiche Eltern mussten ihre Langzeit- oder gar Weltreise mit Kind aufgrund des Coronavirus’ abbrechen und teilweise sogar fluchtartig ihr Reiseziel verlassen. Zu diesen Familien gehören auch Antje und Boris von Nooba. Sie befanden sich mit ihrem 6-jährigen Kind in Mexiko, als sich schlagartig alles um sie herum veränderte. Sollen wir weiterhin in Mexiko mit unserem Sohn Nolan bleiben? Oder unsere Weltreise abbrechen? Fast stündlich änderten Antje und Boris ihre Meinung und durchlitten ein Wechselbad der Gefühle. Hier ist ihre Geschichte!

Kurze Info: Dieser Artikel ist Teil einer kleinen Serie «Corona – gestrandet als Familie in einem anderen Land», in der Eltern von ihren Erfahrungen und Emotionen erzählen, als sie die Auswirkungen der Coronasituation und der unerwartete Lockdown plötzlich auf Reisen erwischt hat. Hier findest du alle Geschichten:

Corona in Mexiko – eine Familie erzählt

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Liebe Antje, du bist mit deinem Sohn Nolan und Mann Boris vor Kurzem noch auf Weltreise gewesen. Magst du von eurer Weltreise mit Kind kurz mal erzählen? Und warum habt ihr euch Mexiko für einen längeren Aufenthalt ausgesucht?

Schon länger wollten wir in Mexiko leben und uns das Land, die Menschen und die Kultur näher ansehen. Ein wichtiger Grund, warum wir letztes Jahr nach Mexiko mit Kind gegangen sind, ist einerseits natürlich, um die wunderschönen Strände zu sehen und andererseits wollten wir uns mehr mit der internationalen Unschooling Community verbinden. Wir und unser Sohn bezeichnen uns als Freilerner (Unschooler). Das heißt, dass unser Sohn ohne vorgegebenen Lehrplan lernt und selbstbestimmt seinen eigenen Interessen folgt. Da wir nicht in Deutschland wohnhaft gemeldet sind, unterliegt Nolan auch nicht der deutschen Schulpflicht.

Mexiko ist ein wunderschönes Land. Knapp 6 Monate haben wir nun nah am Meer in Playa del Carmen gelebt mit vielen internationalen Freilerner-Familien um uns herum, wo wir einen wundervollen Austausch unter Gleichgesinnten hatten.

Und wann ret ihr unter normalen Umständen aus Mexiko wieder nach Deutschland gekehrt?

Unser Plan war im Juni 2020 nach Deutschland zu fliegen, um unsere Familie und Freunde in Berlin und Umgebung zu besuchen. Das hat sich nun alles etwas geändert. Zwar sind wir jetzt in Berlin, aber unsere Familie und Freunde können wir leider trotzdem nicht wie gewollt treffen.

Corona in Mexiko – eine Familie erzählt

Corona in Mexiko wie sieht die aktuelle Lage vor Ort aus? Was hat die mexikanische Regierung unternommen und angeordnet?

Wir hatten Mexiko am 28. März mit der Rückholaktion von Deutschland verlassen. Schulen waren zu diesem Zeitpunkt schon seit mehreren Tagen geschlossen, aber ansonsten war vom Coronavirus und sonstigen Vorkehrungen nicht viel zu spüren gewesen. Die Grenzen waren offen, die Touristen waren am Strand und in den unzähligen Restaurants unterwegs und gingen abends Party machen.

Jetzt, Anfang April hat sich die Situation in Playa del Carmen stark geändert. Einige Tage nach unserer Ausreise aus Mexiko wurde der Flughafen in der Nachbarstadt Cancun geschlossen und es gibt keine Flüge mehr nach Deutschland. Und nun wurde der komplette April zur Ausgangssperre erklärt. Es ist nur noch erlaubt, in den Supermarkt, in die Apotheke oder ins Krankenhaus zu gehen. Die Stadt soll wohl einer Geisterstadt gleichen – zumindest der touristische Teil an der Küste. Alles hat zu, nahezu alle Touristen sind in ihr Heimatland zurückgeflogen, kaum jemand ist auf den Straßen und die Mexikaner sind zu ihren Familien gegangen. Dadurch, dass Playa del Carmen normalerweise voller Touristen ist, stehen nun sehr viele Mexikaner arbeitslos und ohne Einkommen da. Eine schreckliche Situation.

Wie sah während Corona in Mexiko eurer Alltag aus? Was habt ihr gemacht, um euch abzulenken?

Da Mexiko offiziell erst sehr spät Infizierte des Coronavirus hatte, haben wir uns bis Mitte März ohne besondere Vorkehrungen in der Stadt bewegt. Die letzten 2 Wochen vor unserem Abflug haben wir uns jedoch mehr und mehr in Eigen-Quarantäne begeben und haben unser Apartment letztendlich weitestgehend nicht mehr verlassen. Wir hatten in unserem Apartment einen kleinen eigenen Whirlpool auf dem Dach, den wir nun auch nutzten. Außerdem gingen wir auch ab und zu zum Strand, als die meisten Touristen schon abgereist waren.

Ansonsten haben wir eben viel zu Hause gemacht. Einer von uns Erwachsenen hat gearbeitet und der Andere hat mit unserem Sohn zusammen die Zeit verbracht und sich um das Essen und den Haushalt gekümmert. Glücklicherweise hatten wir zum Einzug ins Apartment eine kleine Werkstatt mit Hammer, Säge, Bohrmaschine usw. für unseren Sohn aufgebaut. Diese konnte er nun auch benutzen und noch mehr experimentieren und bauen.

Plötzlich musstet ihr sehr schnell eine Entscheidung treffen. Weiter in Mexiko mit Kind bleiben und schauen, wie sich die Lage entwickelt oder eure Weltreise abbrechen und im Rahmen der Rückholaktion des Auswärtigen Amtes und der Botschaft Mexiko schlagartig verlassen und nach Deutschland zu kehren. Warum habt ihr euch für eine Rückkehr entschieden?

Ungefähr eine Woche vor unserer Abreise nach Deutschland haben wir gefühlt stündlich unsere Meinung geändert, ob wir das Land verlassen sollen oder nicht. Außerdem hatten wir überlegt, wo wir in solch einer Krise gerade gerne leben würden. Einige Länder kamen in die nähere Auswahl. Aber dadurch, dass unsere Familie in Berlin lebt und uns die Zukunft in Mexiko, bezogen auf die Sicherheit zu ungewiss war, haben wir uns letztendlich doch entschieden, Mexiko zu verlassen. Und durch die Rückholaktion der Bundesregierung konnten wir glücklicherweise Mexiko auch verlassen. Es war zu diesem Zeitpunkt bereits sehr schwer noch nach Deutschland fliegen zu können. Flüge wurden reihenweise von den Fluggesellschaften von einem Moment auf den anderen storniert, flogen nur mit vielen Zwischenstopps oder waren extrem teuer.

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Viele Menschen denken ja, dass diese Rückholflüge für gestrandete Deutsche umsonst ren das stimmt aber nicht. Kannst du mir sagen, wieviel euch die Flüge für zwei Erwachsene und ein Kind kosten werden?

Der Flugpreis soll sich an den Kosten eines regulären Fluges orientieren. Die Rechnung haben wir allerdings noch nicht erhalten.

Wie hast du dich auf dem Rückflug gefühlt? Was ging dir da durch den Kopf?

Als wir endlich im Flieger nach Deutschland saßen, habe ich mich wirklich gefragt: „Was zur Hölle ist eigentlich los in der Welt.“ Nie im Leben hätte ich gedacht, so etwas mit meiner Familie jemals erleben zu müssen. Außerdem war ich im Flugzeug doch sehr überrascht, dass wir mit einer der wenigen waren, die überhaupt eine Schutzmaske trugen.

Corona in Mexiko – eine Familie erzählt

Ihr seid jetzt nach einer langjährigen Weltreise mit Kind wieder in Deutschland vor welchen Herausforderungen steht ihr?

Als wir erfuhren, dass wir durch die Rückholaktion der Bundesregierung nach Deutschland fliegen werden, haben wir uns nach einer passenden Unterkunft in Berlin und Brandenburg umgesehen. Wie sich aber schnell herausstellte, war das nicht ganz so einfach. In der Gegend, wo meine Eltern leben, konnten wir z. B. nicht mehr hingehen, da dort keine Touristen mehr etwas buchen dürfen.

Und auch in Berlin schien es schwierig, etwas bezahlbares Nettes zu bekommen. Zudem ist es auch nach den Ansichten der meisten Deutschen nicht möglich in einer Ein-Zimmer- Wohnung als kleine Familie zu leben. Und die Mieten für größere Wohnungen sind für unser Budget einfach zu hoch. Glücklicherweise konnten wir bei meiner Schwester unterkommen und wohnen nun seitdem zusammen in ihrer Wohnung.

Und wie sehen eure weiteren Pläne aus?

Das ist eine sehr gute Frage. Im Moment planen wir nur grob, ohne etwas fix zu buchen. Wir werden schauen, was und wie sich alles in der nächsten Zeit entwickeln wird und entscheiden dann weiter. Zum Glück haben wir die Möglichkeit und Flexibilität immer wieder neu entscheiden zu können.

Was werdet ihr machen, sobald der ganze Corona-Spuk vorbei ist?

Sobald es möglich ist, wollen wir unbedingt unsere Eltern wieder besuchen und in die Arme schließen. Denn das ist im Moment leider nicht möglich.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Ich denke an erster Stelle das, was sich im Moment wohl jeder wünscht: Dass wir den Coronavirus auf der Welt so in den Griff bekommen. Dass wir wieder ein normales Leben wie vor Corona-Zeiten führen können.

Und wie sehen eure weiteren Reisepläne mit Kind aus? Vorausgesetzt, dass wir irgendwann mal wieder reisen können

Im Moment haben wir nicht vor, etwas an unserem Lebensstil zu ändern. Jedoch könnte ich mir vorstellen, dass wir uns in den nächsten Jahren eine kleine Home Base errichten, wo wir ein paar mehr Dinge abstellen und öfter wieder zurückkehren können. Wo und wie das aussehen wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht sagen. Eines steht jedoch fest: Wir Drei lieben die Vielfalt, das Reisen, fremde Kulturen und Neues zu entdecken.

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