Was ich schon immer mal über Weihnachten wissen wollte …

November 14, 2019

Liebe Leute, heute oute ich mich mal! Und zwar bin ich ein völliger Weihnachtsbanause. Oder um es mal etwas netter zu formulieren, wenn es um weihnachtliche Traditionen und Rituale geht, ist mein Hintergrundwissen extrem begrenzt. Ab wann darf man eigentlich den ersten Lebkuchen essen? Keine Ahnung! Wie verhält man sich eigentlich beim Christbaumschlagen im Wald? Ähm, … Warum ist das Weihnachtsmannkostüm ganz klar ein Affront gegen den Bischof Nikolaus? Ja, warum eigentlich? Und warum ist Weihnachten erst am 2. Februar vorbei? Echt, ist es das? … Zweifelsohne, auf ganz viele Fragen rund um Weihnachten weiß ich keine richtige Antwort. Und ja, ich muss zugeben, dass mir das schon ein wenig peinlich ist. Vor allem, wenn ich mir vorstelle, dass mein Sohn mich irgendwann mit Fragen wie «warum sollen wir an Heiligabend das Lied In der Weihnachtsbäckerei von Rolf Zuckowski nicht mehr hören, das hat meine Lehrerin gesagt?« löchern wird – und ich ihn diese nicht eindeutig beantworten kann.

DAS Buch über Weihnachten, DAS ich schon immer mal lesen wollte

Doch zum Glück hat meine sehr geschätzte Kollegin Nadine Luck vom Blog Mama und die Matschhose ein Buch geschrieben, das all meine Fragen rund um Weihnachten fachkundig und vor allem auf sehr amüsante Weise beantwortet. «Fettnäpfchenführer Weihnachten – Da habt ihr die Bescherung»* ist definitiv DAS Buch über Weihnachten, DAS ich schon immer mal lesen wollte. Und ich muss zugeben, dass ich einige Parallelen zu mir und dem Protagonisten entdecken konnte. Denn Gurian Hollerbach reist aus dem Jahr 2226 in unsere heutige Zeit und lernt das Weihnachtsfest kennen, das es in seiner Welt nicht mehr gibt. Nach anfänglichem Zögern nehmen ihn seine Vorfahren, die vierköpfige Familie Hollerbach, herzlich bei sich auf. Und gemeinsam bereiten sie sich mit zahlreichen Ritualen und Traditionen aufs gemeinsame Weihnachtsfest vor, die beim Zeitreisenden Gurian sehr viele Fragen aufwerfen … Und genau diese Fragen wird mir jetzt die Buchautorin Nadine Luck höchstpersönlich beantworten.

Liebe Nadine, bereits seit Wochen schleiche ich ums Regal mit dem Lebkuchen vorbei und habe jetzt endlich (genüsslich) zugeschlagen. Doch in deinem Buch habe ich gelesen, dass man Lebkuchen nicht vor dem 1. Advent essen soll. Warum?

Natürlich darfst du Lebkuchen essen, wann du willst. Aber: Für Menschen, die Weihnachtstraditionen aufrecht halten, ist es ein ungeschriebenes Gesetz, Dominosteine, Lebkuchen und Plätzchen nicht vor dem ersten Advent zu essen. Das liegt nicht daran, dass ihnen das Gebäck nicht schmecken würde – im Gegenteil: Ihnen ist es besonders wertvoll. Die Naschereien, die oft mit besonderen Gewürzen gespickt sind, erst in der zauberhaften Vorweihnachtszeit zu genießen, das macht jene noch schöner. Die Magie des Advents wäre für traditionsliebende Menschen nicht dieselbe, wenn sie bereits im September und Oktober ständig Weihnachtsgebäck naschen würden. In dieser Sache streng zu sich selbst zu sein, hat einen besonderen Reiz in einer Zeit, in der das ganze Jahr über alles zu haben ist: Spargel im Winter, zum Nachtisch Erdbeeren mit Eis. Da ist es doch schön, eine Nische für das Besondere zu bewahren, oder?

Auf Pinterest und diversen Blogs findet man ja zahlreiche Inspirationen für Adventskränze in den buntesten Farben. Was hältst du davon? Und welche Farben sollten traditionellerweise die Kerzen auf dem Adventskranz haben? Rot, oder …

Auch da ist natürlich erlaubt, was gefällt, und ich muss gestehen, dass ich etwa Adventskränze, die in allen Farben des Regenbogens gestaltet sind, auch schön finde. Viele denken wie du, dass die Kerzen traditionell rot sind. Das ist aber nicht so: Wer Kerzen verwenden will, wie sie früher üblich waren, verwendet drei violette und eine rosafarbene auf dem Kranz. Violett ist die Farbe der Buße, Priester tragen diese Farbe im Advent, in dem traditionell gefastet wurde. Analog dazu sind drei Farben auf dem Kranz auch violett. Die rosafarbene kommt am dritten Advent ins Spiel: Dann, wenn das liturgische Priestergewand rosa sein kann, um die Vorfreude auf das Fest zu demonstrieren. Der sogenannte Gaudete-Sonntag unterbricht den Ernst des Advents als Fastenzeit.

Warum ist das Weihnachtmannkostüm ein Affront gegen den Bischof Nikolaus?

Wenn du an einen Mann im roten Mantel und mit langem Rauschebart denkst, der Kindern Geschenke bringt, dann können damit zwei Herren gemeint sein: der Nikolaus und der Weihnachtsmann. Am Nikolaustag kann es aber nur einen geben: den Nikolaus, der auf den heiligen Bischof Nikolaus zurückgeht. Aus ihm hat sich zunächst in den USA der Weihnachtsmann herausgebildet. Letztlich aber ist der Weihnachtsmann eine Kunstfigur, die im Rentierschlitten vom Himmel zur Erde rast und in Haushalten, bei denen das Christkind nicht kommt, an Weihnachten für die Bescherung zuständig ist. Dass er, der weder Bischofshut noch -stab hat, dennoch oft auch am Nikolaustag unterwegs ist, der dem Heiligen gewidmet ist, geht natürlich gar nicht.

Was ich schon immer über Weihnachten wissen wollte

Gibt es tatsächlich Verhaltensregeln beim Christbaumschlagen im Wald?

Auf alle Fälle! Niemand darf einfach so in den Wald stiefeln und einen Baum schlagen. Das ist Diebstahl, zuerst muss immer ein Förster um Erlaubnis gefragt werden. Es gibt aber sogenannte Tannenhöfe, Weihnachtsbaumplantagen oder Baumschulen, da darf ganz offiziell der eigene Baum geschlagen werden.

Ich verbringe ja mit meiner Familie die Adventszeit in Ecuador, dementsprechend werden wir wieder keinen Weihnachtsbaum haben. Aber wenn ich zuhause wäre, würde ich nach traditionellem Brauch wann genau den Weihnachtsbaum schmücken?

Es wird zwar zum Trend in vielen Familien, den Weihnachtsbaum bereits Anfang Advent aufzustellen und zu schmücken – und die Pracht dann in den sozialen Netzwerken zu zeigen. Doch Moment: So schön es ist, den Baum bereits den ganzen Dezember hindurch bewundern zu können, so bedauerlich ist es doch, wenn er Heiligabend längst zum gewohnten Inventar geworden ist. Wenn die Kinder längst wissen, wie er beleuchtet aussieht, was dann ja Weihnachten nichts besonderes mehr ist. Wer das Fest besonders magisch gestalten will, sollte sich an folgende Traditionalistenregel halten: Kein Weihnachtsbaum vor dem 23. oder sogar 24. Dezember!

Warum findet es nicht mal Rolf Zuckowski gut, wenn an Heiligabend «In der Weihnachtsbäckerei» ertönt.

Weil es gar kein Weihnachtslied ist. Das betonte er auch in einem Interview, das ich mit ihm für das Buch führen durfte. Es ist ein Lied zum Advent, zum Plätzchenbacken. Generell sind viele der beliebtesten Weihnachtslieder eigentlich keine: In Last Christmas geht es um gekränkte Liebe. In Jingle Bells um eine Schlittenfahrt. Das Thema Weihnachten kommt nicht vor.

Kläre mich bitte auf, an Weihnachten kommt der Weihnachtsmann oder das Christkind?

Oh, das ist je nach Region unterschiedlich. Eine eindeutige geografische Grenze lässt sich da nicht ziehen, das hat eher mit der Verbreitung der evangelischen und katholischen Kirche zu tun. Als Faustregel gilt: In katholisch geprägten Gegenden kommt in der Regel das Christkind in der Heiligen Nacht, in den evangelischen der Weihnachtsmann. Das ist im Grunde erstaunlich, denn Reformator Martin Luther hat als Urprotestant das Christkind erfunden, als Gegenspieler zum Nikolaus. Denn Luthers Meinung nach sollte Weihnachten der Geschenketag sein, mit dem Christkind als Gehilfen, und nicht mehr der Nikolaustag, der es vor seiner Zeit war.

Nenne mir bitte drei Dinge, die man an Weihnachten auf jeden Fall tun sollte?

  1. Inbrünstig das „Stille Nacht“ in der Kirche mitsingen!
  2. Das Jesuskind nach dem Kirchbesuch in die Krippe legen, und wirkliche erst dann. In der Kirche wird ja seine Geburt gefeiert.
  3. Mit Freude schenken, auch wenn es nur kleine Aufmerksamkeiten sind, die vielleicht den Abend bereichern, wie Pralinen oder Liköre – denn so ohne Geschenke ist das Fest ein bisschen sparsam, oder?

Und fallen die drei Dinge ein, die man auf keinen Fall machen sollte?

  1. Aus Diätgründen auf den Weihnachtsbraten verzichten – denn wann, wenn nicht jetzt, darf man mal richtig schlemmen?
  2. Sich allzu sehr beim Putzen stressen, denn Weihnachten kommt das Christkind/der Weihnachtsmann – und kein Hygienebeauftragter.
  3. Dasselbe Geschenkpapier für die Kindergeschenke verwenden, das sie bereits kennen: Denn so lange sie ans Christkind und den Weihnachtsmann glauben, gilt es, sich nicht durch so eine Unachtsamkeit verraten.

Warum ist das Weihnachtsfest erst am 2. Februar beendet?

Das ist auch was, was viele anders sehen: Für manche ist Weihnachten sogar schlagartig am 26. Dezember vorbei. Für vorwiegend katholische Gläubige ist aber klar: Der Christbaum bleibt, und zwar bis Mariä Lichtmess am 2. Februar. Gemäß der jüdischen Tradition durfte die Gottesmutter Maria 40 Tage nach der Geburt ihres Sohnes nicht in den Tempel gehen, sie galt als unrein. Nach Ende der 40-Tagesfrist, an die heute am 2. Februar gedacht wird, brauchte sie im Tempel ein Opfer für die Reinigung. Erst dann werden auch in den Kirchen Krippen verstaut.

Dein Protagonist Gurian kommt ja aus dem Jahr 2226 und lebt in einer Zeit, in der keine Weihnachten mehr gefeiert werden. Warum denkst du, dass das Weihnachtsfest tatsächlich irgendwann aussterben könnte?

Weil es tatsächlich ein immer weltlicheres Fest wird, dessen Hintergrund immer undeutlicher wird. Ich fürchte, es gibt immer mehr Menschen, die wirklich gar nicht mehr so recht wissen, was sie da feiern. Und wenn der Bezug zur Tradition verloren geht, kann es gut sein, dass die Menschen in der Zukunft tatsächlich mal Halloween cooler finden als Weihnachten, da verkleidet man sich schließlich, und die Party ist wilder – warum sollte man sich nicht da künftig was schenken, und Weihnachten nicht mehr? Aber ich vertraue auf Gurian: Er wird sich wieder um Weihnachten kümmern…

Was ich schon immer über Weihnachten wissen wollte

Und meine letzte Frage, wie bist du eigentlich darauf gekommen, ein Buch über Weihnachten zu schreiben?

Ich wollte tatsächlich schon seit vielen Jahren über all diese Bräuche recherchieren, es interessiert mich einfach, weil ich ein riesiger Weihnachtsfan bin! Darüber hatte ich auch immer wieder mit meinem Verleger Matthias Walter von Conbook gesprochen. Irgendwann hatte er die Idee, einen originellen Fettnäpfchen-Reiseführer herauszubringen: über die Reise zur eigenen Familie und zur eigenen Kultur, den „Fettnäpfchenführer Weihnachten“. Es ist wirklich das Buch, das ich schon sehr lange schreiben wollte, und dass es jetzt auch noch einen goldenen Einband hat, macht das Glück für mich perfekt.

Liebe Nadine, ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen und mir die verschiedenen Rituale zur Weihnachtszeit nähergebracht hast. Und danke dir, für dein tolles Weihnachtsbuch. Du hast es nicht nur geschafft, mit deinem Buch zu zeigen, dass hinter Weihnachten VIEL MEHR steckt als nur Geschenke, Plätzchen backen und Tannenbaum, sondern vor allem transportierst du sehr viel informatives Wissen auf sehr amüsante Weise. Wirklich toll gemacht! Und ich muss zugeben, dass ich ein klein wenig traurig war, als Gurian wieder zurück ins Jahr 2226 gereist ist … Hoffentlich gelingt es ihm, das Weihnachtsfest mit all seinen Traditionen und Ritualen in der Zukunft wieder zu etablieren.

Nadine Luck, Fettnäpfchenführer Weihnachten – Da habt ihr die Bescherung, erschienen im Conbook Verlag

Was ich schon immer üer Weihnachten wissen wolle

Fotocredits: alle Fotos ©Nadine Luck

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