Warum ich im Badezimmer heimlich Schokolade esse

Mai 27, 2016

Zweifelsohne. Es gibt besser Orte – als ausgerechnet im Badezimmer Schokolade zu essen. Und zum allen übel auch noch HEIMLICH. Aber glaube mir, ich würde auch lieber genüsslich meine Schokolade in der horizontalen Lage auf der Couch schnabulieren, als sie mir irgendwo in einer dunklen Ecke reinzustopfen. Ständig in der Angst, dass ER jede Mikrosekunde um die Ecke geschossen kommen könnte. Mit fuchtelnden, ausgestreckten Armen, begleitet von einem schrillen, vorwurfsvollen Ton und einem fordernden Blick. Meins! Wie kann sie es nur wagen? Gib das sofort her!

Meins!
Doch Moment mal, wer ist eigentlich dieser furchteinflößender, unheilverkündender, ominöser ER? Alle Mamis (und vielleicht auch einige Papas), die ein Kind im ähnlichen Alter haben, wissen spätestens seit dem zweiten Satz – wenn nicht sogar schon seit der Überschrift – wer ER ist. Goldrichtig! Es ist mein kleiner Chef. Denn alles, was ich esse – oder nur ansatzweise wage, richtung Mund zu führen – wird mir aus der Hand gerissen. Unter lautem Protest & Geschrei. Voller Empörung, dass ich diesen Versuch nur gewagt habe. Meins! Hat sie es denn immer noch nicht verstanden? Mamas Schokolade gehört mir, und sie kann sich glücklich schätzen, wenn ich ihr ein bis zwei Stücke abgebe …

Mein nicht-lukullisches Schicksal
Doch es kommt noch schlimmer. Denn so verhält es sich nicht nur mit Schokolade, sondern eigentlich mit allem Essbarem (außer roter Paprika). Ob Käsekuchen, Leberwurstbrot oder Sushi – Mami muss alles mit ihrem Kleinen teilen. (Und mich nur von roter Paprika ernähren, ist auch keine praktikable Alternative.) Sprich, ich muss mich mit meinem nicht-lukullischen Schicksal abfinden. Doch möge jede Situation noch so ausweglos erscheinen, wie gut, dass sich immer ein Schlupfweg findet, um die eigene Misere ein wenig ertragbarer zu machen. Und wenn der Teufel in der Not Fliegen frisst, dann kann ja Mami auch heimlich im Badezimmer Schokolade essen.

Mein Schlupfweg
Ich weiß. Von einigen Seiten bahnt sich gerade ein Shitstorm an. Denn pädagogisch wertvoll ist mein Schlupfweg nicht. Und ich gebe mich geschlagen. Nein – ist er in der Tat nicht. Und ich weiß, dass es nicht richtig ist und dass das Kind lernen muss, dass es nicht alles darf, Grenzen setzten (auch beim Essen) und so weiter und so fort … Aber vielleicht ist bei uns im Haus alles anders. Oder noch eher: Ich habe mit den Erziehungsmaßnahmen zu früh aufgehört, habe den Weg des geringsten Widerstandes gewählt.

Ständig die Angst im Nacken, ER könnte kommen
Doch wie gut, dass es genügend Eltern gibt, bei denen es sich zu Hause ähnlich abspielt. Die ihr Brot mit Fleischwurst schnell in der Küche futtern, da das Kind ansonsten beim Anblick einen Wutanfall bekäme (erzählte mir gerade gestern eine Freundin) – oder die heißgeliebte Schwarzwäldertorte auf dem Balkon verdrücken.

Wie sehr sich doch Mami am Unglück der anderen Mamis erfreuen kann. Auch wenn sie gemeinsam das gleiche Schicksal teilen. Macht nichts, in dem Moment, wenn einem davon erzählt wird, ist das eigene Übel kurz mal ausgeblendet – und zumindest kann ich dann herzlich über die anderen & mich lachen. Und wenn ich dann das nächste Mal (also ganz bald) wieder heimlich im Badezimmer Schokolade essen werde (die ständige Angst im Nacken, ER könnte wiederkommen), dann werde ich einfach dabei schmunzeln und mir in Erinnerung rufen, dass auch andere Eltern dies tun.

Erzähle mir von deinem Unglück, damit wir gemeinsam etwas lachen können. Isst du auch heimlich in deinem Versteck? Dann hinterlass mir hier einen Kommentar oder schreibe mir eine Mail mami.bloggt@yahoo.de – ich freue mich auf deine Geschichte 😉 Möchtest du mehr über mich erfahren? Was mich bewegt, inspiriert & begeistert? Dann bitte HIER entlang … Und sag‘ Hallo auf Facebook, Instagram & Twitter.

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12 comments

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  2. Comment by Claudi

    Claudi Reply Juni 2, 2016 at 3:02 pm

    Hui da bin ich aber jetzt erleichtert, dass es nicht nur uns so geht!! Brilliant geschrieben!!

      

    • Comment by gabriela_urban

      gabriela_urban Reply Juni 2, 2016 at 3:25 pm

      Hallo Claudi, und ich bin froh, dass es anderen Familien auch ähnlich ergeht. Hatte schon Angst, dass bei uns alles aus dem Ruder läuft und ich bald an Essstörungen leide, da ich heimlich und noch dazu im Badezimmer esse 😉 Vielen Dank für das liebe Kompliment. Ganz liebe Grüße Gabriela

        

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  5. Comment by Ramona

    Ramona Reply Juli 15, 2016 at 1:19 pm

    Ich musste gerade so lachen. Und ich dachte, dass es nur bei uns so läuft. Super zu lesen, dass es dir genauso geht 😉

      

    • Comment by gabriela_urban

      gabriela_urban Reply Juli 15, 2016 at 1:20 pm

      Ramona, geteiltes Leid ist halbes Leid 😉 Und immer nur perfekt sein, ist auch nicht perfekt 😉

        

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