Reisegeschichten, Weltenbummler
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Reisegeschichte vom nicht-Verstehen und Verstehen

Das Reisen erweitert den eigenen Horizont. Wer unterwegs ist, kann viel über die Welt und fremde Kulturen lernen. Sagt man oft. Und ich kann dieser Behauptung nur zustimmen. Und obwohl ich vor meiner Mami-Zeit sehr viel gereist bin, muss ich zugeben, dass ich auf den gemeinsamen Reisen mit meinem kleinen Sohn völlig andere neue Dinge lerne. Durch meinen kleinen Reisebegleiter sehe ich die Welt teilweise mit anderen Augen. Sozusagen aus der Perspektive meines kleinen 17-monatigen Kindes – das neugierig seine Umgebung erkundet und vor dem Fremden keine Berührungsängste zu scheinen hat. Zumindest geht er viel schneller auf fremde Menschen zu als ich und knüpft neue Kontakte. Dabei ist es ihm egal, ob sie eine Burka tragen oder nicht, ob sie Muslime oder Hindus sind, welche Hautfarbe sie haben oder welche Sprache diese Menschen sprechen. Er begegnet ihnen mit seiner kindlichen wohlgesonnen Art, die keine Scheu vorm Fremden kennt.

Vom nicht-Verstehen …
Auf unserer gemeinsamen Reise nach Bulgarien verbrachten wir ein paar Tage in der wunderschönen Stadt Plovdiv. Wir fühlten uns beide sofort wohl an diesem Örtchen und genossen die südländische Atmosphäre in vollen Zügen. Ich kaufte uns einen frischgepressten Saft und wir setzten uns auf ein paar Stufen in die Sonne. Ein alter Mann kam vorbei und fing an, uns irgendetwas auf bulgarisch zu erzählen. Freundlich wie ich bin, lächelte ich ihn an, versuchte ihm aber zu zeigen, dass ich ihn nicht verstehen kann. Das schien diesen freundlichen Mann aber nicht zu stören, unbeirrt fuhr er in seiner Erzählung fort. Ich war ein wenig verunsichert, wie ich reagieren soll.

… und Verstehen
Doch mein Sohn übernahm in dieser Situation sprichwörtlich das Ruder und stimmte mit seinem brabbelnden Sprechen ins Erzählen mit ein. Plötzlich schienen, dieser alte bulgarische Mann und mein Sohn sich zu unterhalten. Beide erzählten vor sich her, gestikulierten wild und freuten sich des Lebens. Und obwohl sie beide nicht die gleiche Sprache sprechen, schienen sie sich gegenseitig zu verstehen. Der alte Mann lachte aus vollem Herzen und auch mein Sohn lachte herzlich mit.

Und die Moral von der Geschicht’:
Ich beobachtete dieses Geschehen als Außenstehende – und dabei wurde mir ganz warm ums Herz. Ich lernte eine neue Lektion. Es gibt Situationen, da kommt es nicht darauf an, dass du den Inhalt der Worte wirklich verstehst, sondern viel mehr, dass du unbefangen und ohne Scheu auf deine Umwelt reagierst. Mein kleiner Sohn hatte es mir vorgemacht. Anstatt wie ich – verhalten zu reagieren und unbedingt demonstrieren zu wollen, dass ich nicht verstehe – ging er auf den alten Mann ohne jegliche Berührungsängste zu. Fröhlich unterhielten sie sich – ohne sich gegenseitig zu verstehen – aber das war in dieser Situation auch nicht wichtig. Beide begegneten sich mit einer besonderen Freude und mit einer kindlichen wohlgesonnen Art, von der wir Erwachsenen lernen können, fremde Dinge besser zu verstehen.

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10 Kommentare

  1. Liebe Gabriela,

    ein wirklich schöner Text über die Fähigkeit von Kids ohne Vorbehalte auf andere zuzugehen. Für mich auch oft bewundernswert und wir sollten uns wirklich ein bisschen davon abschauen, um solche Momente nicht durch unsere Scheu, Ängste o.ä. zu zerstören.

    Liebe Grüße

    Sylvi

      

    • gabriela_urban sagt

      Hallo Sylvi, vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Ja, wir können so viel lernen von unseren Kleinen. Neulich im Flugzeug saß ein alter Mann neben uns, und mein Sohn hat einfach seinen Kopf auf seinen Schoß abgelegt. Ich wollte es unbedingt verhindern, da ich den Mann nicht belästigen wollte. Doch der Mann meinte, dass es okay sei. Naja, während des Fluges wurden die beiden richtig gute Freunde. Sie hatten beide ihren Spaß – und am Ende des Fluges bedankte sich der Mann sogar bei mir und meinte, dass er schon sehr lange keinen so schönen Flug hatte … Fande ich irgendwie auch sehr rührend 😊

        

    • gabriela_urban sagt

      Hallo Chris, es ist doch echt schön, zu beobachten, wie offen unsere Kinder fremden Menschen gegenüber zu sind. Ich gebe dir Recht, von ihnen können wir echt viel dazulernen – und hätte dann vielleicht auch mehr Freunde, oder zumindest einige nette neue Begegnungen 😉 Dein Text hat ebenfalls mein Herz erwärmt. Schön zu lesen, dass es für dich so viele Dinge gibt, die dir dein 5-jähriger Sohn beibringt. Und vor allem schön, dass du diese Dinge auch erkennst. Ganz liebe Grüße an dich und deine Familie (wo auch immer auf der Welt ihr gerade seid), Gabriela.

        

      • Vielen Dank für die lieben Worte. Wir sind noch bis Donnerstag in München und dann endlich wieder in Thailand – Rückflug Ende Juli 2017 🙂

        Liebe Grüße

        Chris

          

        • gabriela_urban sagt

          Wow!!! Das klingt nach einer super spannenden Reise. Da werde ich ja fast neidisch 😉 Freue mich schon auf tolle Bilder von euch.

            

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