Zwei Kindern gerecht werden? Interview mit Buchautorin Nathalie Klüver

März 5, 2018

Ich habe heute etwas ganz Besonderes für dich! Denn ich hatte die Ehre, meine sehr geschätzte Blogger-Kollegin Nathalie von Ganz normale Mama zu interviewen. Nathalie ist nicht nur Bloggerin, Journalistin & Mama von drei Kindern, sondern auch Buchautorin. Ihr neustes Buch „Willkommen Geschwisterchen“ ist ein Ratgeber für Eltern, die familiären Zuwachs planen und sich nun fragen, wie sie die anstehenden Herausforderungen meistern sollen. Wie soll ich zwei Kindern (oder später vielleicht noch mehr) gerecht werden, ohne mich dabei selber komplett aufzugeben? Besonders erfrischend finde ich Nathalies gelassene, humorvolle Grundhaltung, die sich in ihren vielen Tipps und Tricks im Buch widerspiegelt. So empfiehlt Nathalie unter anderem, im familiären Alltag nicht alles zu ernst zu nehmen, auch mal Dampf abzulassen (der Vergleich mit dem Nudelnkochen ist einfach nur herrlich!), vergleicht das Miteinander von Geschwisterkindern mit einem Bootcamp fürs spätere soziale Leben und verrät einen tollen Tipp, wie Geschwister besser das Teilen lernen. Und auch auf meine Frage, die mir persönlich schon seit Ewigkeiten auf der Seele brennt, hat Nathalie ebenfalls eine erfrischende, gelassene Antwort (ich sage nur, Wäscheberge ignorieren!) …

Zwei Kindern gerecht werden – Auszug aus dem Eltern-Ratgeber "Willkommen Geschwisterchen"

Zwei Kindern gerecht werden Interview – Pin für Pinterest

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Nathalie, vor ein paar Monaten ist ja dein drittes Buch „Willkommen Geschwisterlichen“ im Trias Verlag erschienen. Magst du mir verraten, wie du auf diese Buchidee kamst?

Ich habe ehrlich gesagt, das Buch geschrieben, dass ich mir beim zweiten Kind gewünscht hätte! Die meisten Bücher zu dem Thema behandelten entweder nur alles rund ums „große Kind vorbereiten“ oder nur das Thema Eifersucht oder nur das Thema Geschwisterstreit – es fehlte einfach ein Buch, dass eine Art Begleiter für die ganzen ersten Jahre mit zwei Kindern ist und dass man immer wieder hervorziehen kann, wenn es gerade brennt.

Du hast ja selber mittlerweile drei Kinder und bist ja ganz „nebenbei“ beruflich sehr eingespannt. Was ist dein alltagstauglicher Tipp, um den ganzen Familienwahnsinn zu wuppen?

Nicht alles so ernst nehmen. Auch mal über sich selbst lachen. Oder sich auf den Quatsch der Kinder einlassen und mitmachen. Es entschärft ungemein, wenn man sich zu seinem Kind auf die Treppe setzt und sich genauso weigert, sich alleine anzuziehen. Und bloß nicht versuchen, alles pädagogisch korrekt zu machen, denn daran kann man nur scheitern! Ich bin nicht perfekt, weder die perfekte Mutter, noch die perfekte Hausfrau, noch die perfekte Journalistin. Ich bin einfach gut genug. Und was gut genug ist, definiere ich selbst. Es war ein langer Weg, um das einzusehen, aber seit ich nach dem Motto lebe, ist alles nur noch halb so schwer! Und ja, ab und zu hilft es mir auch, mal zu explodieren und rumzumeckern wie ein Rumpelstilzchen. Das ist wie beim Nudelnkochen: Deckel hochheben und Dampf ablassen hilft gegen Überkochen.

Du hast ja vor Kurzem selber dein drittes Baby bekommen. Was würdest du jeder Mutter raten, worauf kommt es in den ersten Wochen an, wenn plötzlich das „neue“ Baby da ist?

Bloß nicht versuchen, ganz genau die Zeit aufzuteilen zwischen den Kindern. Das sollte man nie, dabei verkrampft man nur. Wichtiger ist es, dass jedes Kind die Aufmerksamkeit bekommt, die es gerade braucht – situationsabhängig. In den ersten Wochen sollte man es vor allem langsam angehen lassen, mit zwei Kindern noch mehr als mit einem. Und Hilfe annehmen – ganz ohne schlechtes Gewissen! Und man sollte auch das große Kind erst mal in der neuen Situation ankommen lassen. Wenn es sich überhaupt nicht für das Geschwisterchen interessiert, dann ist es okay so, dann sollte man es nicht drängen. Und wenn Besuch kommt, dann sollte man diesen Besuch darauf vorbereiten, zuerst das große Kind zu begrüßen und nicht nur das Baby zu bewundern.

Mal so ganz unter uns, ich habe ja manchmal das Gefühl, dass ich an manchen Tagen schon mit einem Kind überfordert bin. Du hast ja sogar drei Kinder! Was denkst du, wie wird man seinen Kindern am besten gerecht, ohne seine eigene Person komplett aufzugeben?

Ganz ehrlich: Ich finde, man hat mit mehreren Kindern sogar mehr Zeit! Denn sie beschäftigen sich gegenseitig! Meine Jungs sind jetzt 4 und 6 und verschwinden nachmittags ins Kinderzimmer und spielen bis zum Abendbrot (von den Streitereien mal abgesehen). Und sie kümmern sich um ihre kleine Schwester, so dass ich zum Beispiel kochen kann oder morgens in Ruhe ins Bad kann. Das hat man natürlich nicht bei einem Kind! Auch bei meinem Mittleren war es so – der fand es toll, wenn er seinem großen Bruder zuschauen konnte und war dadurch so unterhalten, dass ich zwischendrin mal eine Zeitschrift lesen konnte. Und im Urlaub sind Geschwister so tolle Spielkameraden und Freunde, dass wir Eltern dadurch keine Animateure sein müssen!

Du kennst es ja von zuhause, mal sind Geschwisterkinder ein Herz und eine Seele – und dann fliegen auf einmal lautstark die Fetzen. Oft ist Eifersucht ein Auslöser für solche Streitereien. Wie sollen Eltern damit umgehen?

Meine Jungs sind die besten Freunde, sie spielen super miteinander – aber ja, aus für uns Erwachsenen unerfindlichen Gründen schlagen sie sich auf einmal die Köppe ein. Das nervt! Man fragt sich, was da los ist und wieso sie nicht einfach weiterspielen können. Je älter die Kinder sind, umso mehr sollte man sie ihre Streitereien alleine lösen lassen. Denn das klappt meist besser, als wenn Mama einschreitet. Viele Streitereien entstehen auch, weil einer von beiden die Aufmerksamkeit von Mama will. Es ist oft so, dass sie erst dann anfangen zu streiten, wenn sich ein Erwachsener nähert. Deshalb lasse ich meine Jungs alleine spielen. Und mische mich auch erst ein, wenn es wirklich ernst wird – also ernste körperliche Verletzungen drohen. Das geht natürlich bei älteren Kindern besser als bei jüngeren, aber auch jüngere können schon erstaunlich gut Konflikte lösen. Immer dran denken: Geschwister sind eine Art Bootcamp fürs spätere Sozialleben! Und wenn man dann einschreitet, sollte man beide Seiten anhören und dann zusammenfassen, ob man es richtig verstanden hat und keine fertige Lösung präsentieren, sondern die Kinder dabei ermutigen, selbst eine Lösung zu suchen, dabei muss man natürlich etwas moderieren.

Und was denkst du, wie kann man Geschwisterrivalität vorbeugen?

Die Geschwister nicht miteinander vergleichen, sondern jedes Kind als das annehmen, was es ist: ein Individuum. Jedes Kind ist anders und jedes Kind hat Dinge, die es gut kann und weniger gut kann. Auch wenn man denkt, es könnte das jüngere Kind motivieren, wenn man ihm sagt „dein großer Bruder konnte in deinem Alter schon alleine mit Messer und Gabel essen“– nein, das tut es nicht. Also auf so einen vermeintlich motivierenden Vergleich verzichten. Und auf solche Sätze verzichten, die einem in manchem unachtsamen Moment rausrutschen wie „Wieso kannst du nicht so artig sein wie deine Schwester?“

Zwei Kindern gerecht werden – Auszug aus dem Eltern-Ratgeber "Willkommen Geschwisterchen"

Hast du einen ultimativen Tipp, wie Geschwister lernen können, zu teilen?

Teilen muss man lernen – das können Kinder nicht von Anfang an. Sie lernen durch Nachahmen, also sollten wir Eltern es ihnen immer wieder vormachen. Und ein kleiner Trick hilft: Wenn man zum Beispiel ein Stück Kuchen teilen soll, darf der eine durchbrechen und der andere sich ein Teil aussuchen. Aber man muss Geduld haben mit seinen Kindern. Von heute auf morgen hat noch keiner das Teilen gelernt. Es wird aber besser! Ich dachte auch am Anfang, dass meine Jungs das Teilen nie lernen werden. Heute hebt der eine sogar etwas von seinen Geburtstagsmitgebseltüten auf, um sie nach der Party mit seinem Bruder teilen zu können!

Je nach Altersunterschied stellt sich bei Geschwistern irgendwann die Frage, ob sie in eine gemeinsame Kindergartengruppe oder besser in zwei getrennte kommen sollen. Was ist deine Meinung? Und wie hast du es selber bei deinen Kindern gehandhabt?

Da bei uns die Kindergartengruppen nach dem Alter sortiert sind, stellte sich uns die Frage nicht. Hier gibt es aber keine pauschale Antwort: Die Entscheidung hängt von den Kindern ab. Ist das eine Geschwisterkind sehr schüchtern und klebt nur an seinem großen, dann sind getrennte Gruppen besser, um auch dem schüchternen Kind zu ermöglichen eigene Sozialkontakte aufzunehmen. Andererseits kann es schüchternen Kindern auch Sicherheit geben, mit seinem Bruder zusammen zu sein. Man sollte sich auch nicht scheuen, die Frage mit den Erziehern zu besprechen und auf deren Erfahrung zu vertrauen.

Viele Eltern machen sich ja Gedanken über den perfekten Altersunterschied zwischen den Geschwisterkindern. Gibt es den? Und wenn ja, wie viele Jahre sind perfekt und warum?

Nein, den perfekten Altersabstand gibt es nicht bei Geschwistern! Auch das ist wieder abhängig davon, was man möchte. Je dichter die Geschwister vom Alter her beisammen sind, umso besser können sie miteinander spielen. Aber bei einem größeren Abstand hat man natürlich für jedes Kind mehr Zeit. Meine Kinder sind drei Monate, 4 und 6 Jahre alt. Ich finde es die perfekte Kombination: Die Jungs sind sehr eng miteinander und ich habe Zeit, die kleine Schwester richtig zu genießen. Aber das muss auch jede Familie selbst entscheiden.

Nathalie, seitdem ich dich kenne, brennt mir persönlich EINE Frage ganz besonders auf der Seele. Du bist Mutter, hast einen erfolgreichen Blog, verfasst für verschiedene Zeitschriften Artikel und auf mich wirkt es so, als ob du ganz locker-flockig nebenbei auch noch Bücher schreibst. Wie schaffst du es, das alles unter einen Hut zu bringen?

Ich habe gelernt, die Wäscheberge zu ignorieren! Nein, im Ernst: Es geht nicht, ohne Prioritäten zu setzen. Die oberste Priorität ist momentan nicht unbedingt der Haushalt. Und ich arbeite sehr effektiv: Als ich anfing Teilzeit zu arbeiten, stellte ich fest, dass ich in fünf Stunden genauso viel schaffe wie früher in 10 Stunden. Hätte ich das vorher gewusst, dann hätte ich entweder viel Freizeit oder doppelt so viel Geld gehabt … Wenn ich arbeite, dann sehr konzentriert und ohne mich ablenken zu lassen. Nun ja. Meistens.

Und meine letzte Frage an dich. Deine Leser dürfen sich ja freuen, denn schon bald erscheint dein viertes Buch. Ich persönlich platze ja vor Neugierde. Darfst du mir schon verraten, um welche Thematik es in deinem nächsten Buch geht?

Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt! Das Buch heißt Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein: Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter“ und erscheint im April (es kann jetzt schon vorbestellt werden!). Zum einen gibt es in dem Buch ganz praktische, handfeste Tipps, wie man als Mutter Zeit für sich findet und sich seine Zeitinseln nur für sich schafft. Das sind auch Tipps, die man in den Alltag zwischenschieben kann – denn tatsächlich kann auch eine Viertelstunde bei einem gemütlichen Kaffee ja sehr hilfreich sein. Mir war es wichtig, dass es Tipps sind, die sich auch wirklich umsetzen lassen und nicht nur theoretisch gut klingen. Und dann geht es in dem Buch auch darum, wieso wir Mütter uns eigentlich so unter Stress setzen, woher der Druck kommt, der Druck der Gesellschaft, der anderen Mütter, der sozialen Medien (Stichwort: perfekt gestylte Kinderzimmer oder perfekt gestylte Mütter mit perfekt gestylten Kindern). Es geht auch um die Frage, wie es unsere Großmütter eigentlich gewuppt haben. Also auch ein Buch, das die Gesellschaft und die Rolle von uns Müttern beleuchtet. Und ganz wichtig: Es ist ein Plädoyer, nicht alles so ernst Wgut ist, definieren ganz alleine wir selbst. Ich freue mich schon auf das Buch, denn es ist ein echtes Herzensthema!

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Zwei Kindern gerecht werden – Interview mit der Autorin vom Buch Willkommen Geschwisterchen

Liebe Nathalie von Ganz normale Mama, vielen lieben Dank für das tolle, sympathische und erfrischende Interview. Ich freue mich ebenfalls riesig auf dein neues Buch. Und wer mag, kann beide Bücher von Nathalie (übrigens, sie hat sogar schon mehr geschrieben), hier bestellen:

Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder*

Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein: Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter

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